Beitrag vom 06.05.2010 Quelle: J.Müller - Schleiz

Schleizer Motorsportanhänger trauern um Freddy Kottulinsky

 

Am 4.Mai 2010 verlor einer der erfolgreichsten Formel III Piloten Europas sein letztes Rennen, das Kämpferherz von Freddy Kottulinsky hörte auf zu schlagen. Der AMC Schleizer Dreieck e.V. verlor mit ihm nicht nur sein Ehrenmitglied, sondern darüber hinaus einen rastlosen Kämpfer und Verfechter der Ostthüringer Rennstrecke. Mit Vehemenz setze er sich bis zu seinem Tod für Rückkehr der Automobile auf dem Schleizer Dreieck ein.
Freddy Kottulinsky wurde am 20.Juli 1932 in München, als Sohn von Adalbert Graf Kottulinsky und Mutter Maria Gräfin Kottulinsky (gebürtige Comtesse Stauffenberg) geboren.

Die Rennsportkarriere von Freddy Kottulinsky begann 1958 in Schweden, damals fuhr er einen MGA in der GT-Klasse bis 1600 ccm. Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein. 1961 wurde er schwedischer Vizemeister auf einem Porsche Carrera 1600 ccm. 1966 kam der Titel des schwedischen Formel III-Meisters hinzu. Unvergessenen bleiben seine Siege in Schleiz 1969 und 1971, mit seinem absoluten Runden- und Streckenrekorden, die in Schleiz Jahrzehnte bestand hatten. Wenig später, im Jahre 1974 wurde er vor dem späteren Formel I Weltmeister Keke Rosberg (SF) Formel Super V Europameister. Es war die wilde, aber so erfolgreiche Zeit der alten Formel III, die von Freddy Kottulinsky so entscheidend mitgeprägt wurde.

Aber auch als Privatfahrer in der Formel II machte er eine gute Figur und in den Jahren 1976 und 1977 belegte er vordere Plätze hinter den Werksteams. Besonders erwähnenswert der Sieg 1976 auf der Nordschleife des Nürburgrings vor Rolf Stommelen (D). 1978 siegte Kottulinsky mit Marc Surer (CH) bei der Marken-WM in der Gruppe 5 auf BMW. Bei der Rallye Paris-Dakar holte er sich 1980 mit einem Geländewagen VW Iltis den Gesamtsieg. Diese Aufzählung der Erfolge ist sicherlich nicht komplett, doch zeigen sie deutlich, wie breit gestreut seine Erfolge und motorsportlichen Einsatzgebiete waren.

Mit 21 Jahren wanderte Freddy Kottulinsky nach Schweden aus und nahm die schwedische Staatsbürgerschaft an, die er bis zu seinem Tode behielt. Sicherlich war die Anfangszeit in Schweden nicht einfach, denn er beherrschte die Sprache nur unzureichend. Aber seine Arbeit als Zweitaktspezialist, die er per Inserat fand, half ihm dabei schnell die Sprache perfekt zu erlernen. Sein schwedischer Pass ermöglichte ihm auch Starts in der DDR, die ihm als Bundesbürger nicht möglich gewesen wären.
Durch die Rennen im Osten Deutschlands hatte er bald Freundschaften zu Fahrern aus der DDR Meisterschaft geschlossen. Fotos mit Wolfgang Küther, aufgenommen 1970 in Küthers Wohnzimmer in Dresden, sind dabei historische Dokumente.

Die Freundschaft hielt bis zur heutigen Zeit und ging soweit, dass er sich bei einem Rennen auf der Dresdener Autobahnspinne 1970 beim Start zurückfallen ließ, um Küther Windschatten zu bieten. Erst zum Ende des Rennens setzte er sich vom Feld ab und machte den Sieg perfekt.
Küthers Meistertitel in der Ost Formel C9 wurde 1974 auf einem von Kottulinsky in die DDR geschmuggelten identischen Chasis errungen, mit welchem Kottulinsky in Schleiz 1971 siegte. Selbst in Zeiten des „Eisernen Vorhangs“ durchquerte Kottulinsky die DDR von Nord nach Süd zu den Rennen in Österreich oder Italien und beschaffte so wertvolle Ersatzteile für die Piloten der DDR.

Als Liebhaber von klassischen Straßenrennstrecken gefiel ihm das Schleizer Dreieck besonders. Sein Leitmotiv, so schnell wie möglich , aber nicht über das Sicherheitslimit der Strecke hinaus zu fahren , setzet er dabei grandios um. Damit ist er Jahrzehnte lang gut und rasend schnell unterwegs. Nur einmal verließen Kottulinsky die Schutzengel, als er im Mallory Park (GB) die schwarz-weiß karierte Flagge übersah. Die Gichtwolke seines Vordermanns nahm ihm jegliche Sicht. Er raste in die vor ihm aufgereihten Formel-III-Autos und wurde durch die Luft katapultiert. In Folge der Verletzungen musste er einen Monat pausieren.

Das Automobil in all seinen Facetten begeisterte Freddy Kottulinsky bis zu seinem Tode. Mit 60 Jahren bestritt er in Hockenheim sein letztes Formel-Rennen in einem Opel Lotus im Rahmen des Grand Prix von Deutschland. Über 25 Jahre war der Wahl-Schwede noch als freiberuflicher Instrukteur für Audi in ganz Europa unterwegs.

Vor gut einem Jahr verlor Freddy Kottulinsky, viel zu früh seine Frau, welche er zu einer Siegerehrung in den 1970er Jahren in Schleiz kennenlernte. Daraufhin zog er sich in seinen Wahlheimat Schweden zurück, ohne Schleiz aus den Augen zu verlieren. So hatte er es sich im Juni 2009 nicht nehmen lassen und kam selbst zur Einweihung „seiner“ Gedenktafel aus Schweden zurück an „sein“ geliebtes Schleizer Dreieck.
Die große Motorsportfangemeinde und die Mitglieder des AMC trauern um einen großen Rennfahrer, guten Freund und so ehrlichen Menschen. Unser Verein wird Freddy Kottulinsky nie vergessen und den Classic Grand Prix ab sofort als „Freddy Kottulinsky Memorial“ ausfahren.

Text: Wolfgang Grimm/Jürgen Müller